Vor Island sind erstmals seit der Walfangsaison 2023 wieder Finnwale gefangen worden. Das Walfangschiff Hvalur 9 erlegte in der Nacht zwei Finnwale und befindet sich auf dem Weg zur Walfangstation im Hvalfjörður, berichtet RUV.
Laut Daníel Jónsson, Stationsleiter von Hvalur hf., sollen die Tiere im Laufe des heutigen Abends an Land gebracht werden. Ein genauer Zeitpunkt steht noch nicht fest.
Für die diesjährige Saison empfiehlt das isländische Meeresforschungsinstitut eine Fangquote von maximal 150 Finnwalen und 134 Zwergwalen. Die ursprünglich veröffentlichte Empfehlung von 168 Zwergwalen wurde nachträglich wegen eines Berechnungsfehlers korrigiert und deutlich reduziert.
Die Grundlage für den diesjährigen Walfang bildet eine im Dezember 2024 erteilte fünfjährige Fanglizenz. Der damalige Premier- und Lebensmittelminister Bjarni Benediktsson genehmigte Hvalur hf. den Fang von bis zu 201 Finnwalen. Zusätzlich erhielt das Unternehmen Tjaldtangi ehf. eine Lizenz für den Fang von bis zu 217 Zwergwalen. Nicht genutzte Fangquoten können jeweils in das Folgejahr übertragen werden.
Die Vergabe der Lizenzen war bereits damals umstritten. Sie erfolgte kurz nach der Parlamentswahl, obwohl bereits feststand, dass eine neue Regierung mit einer kritischeren Haltung zum Walfang die Amtsgeschäfte übernehmen würde. Bjarni Benediktsson bezeichnete die Entscheidung als regulären Verwaltungsakt.
Die heutige Industrieministerin Hanna Katrín Friðriksson hatte dagegen erklärt, der Walfang sei „ein Kind seiner Zeit“. Auf ihre Initiative prüfen Juristen derzeit, ob und auf welchem rechtlichen Weg die bestehenden Walfanglizenzen widerrufen werden können.
Bereits vor dem Beginn der Walfangsaison hatte es eine Protestaktion gegeben. Der Aktivist Hólmsteinn Harðarson besetzte den Mast der Hvalur 9, um das Auslaufen des Schiffes zu verhindern. Nachdem er ohne seine Zustimmung als Passagier registriert worden war, lief das Schiff mit ihm an Bord aus. Erst nach der Ankunft im Hvalfjörður verließ er den Mast. Später erklärte Harðarson bei RUV, er habe sein Verhalten reflektiert, räumte Fehler ein und kündigte an, sich bei Besatzungsmitgliedern entschuldigen zu wollen, nachdem es während der Protestaktion zu einer kurzen Auseinandersetzung gekommen war.
Der kommerzielle Walfang zählt weiterhin zu den international umstrittensten Themen Islands. Die bestehenden Lizenzen erlauben den Fang rechtmäßig. Ob weitere Fänge folgen, dürfte die Debatte in den kommenden Monaten weiter prägen.
Titelbild: Die Hvalur 9 am Dock am Hvalfjördur 2023 / Mirjam Lassak
MAST sieht nach 31-minütigen Todeskampfs des ersten Finnwals der Saison keinen Verstoß gegen Tierschutzrecht oder Walfangvorschriften durch Hvalur hf.