Die Walfangsaison 2026 in Island ist beendet. Insgesamt wurden 93 Finnwale gefangen, 57 weniger unter der wissenschaftlichen Empfehlung. Gleichzeitig kündigt Kristján Loftsson, Geschäftsführer von Hvalur hf., an, die isländische Regierung zu verklagen, sollte sie ein dauerhaftes Verbot des Walfangs beschließen, berichtet die staatliche Nachrichtenagentur RUV.
Ein entsprechender Gesetzentwurf zur grundlegenden Überarbeitung des Walfanggesetzes soll im Februar 2027 ins Parlament eingebracht werden. In der offiziellen Parlamentsagenda wird dabei ausdrücklich auch ein dauerhaftes Verbot des Walfangs als zu prüfende Option genannt.
Walfangsaison nach 93 Finnwalen beendet
Hvalur hf. hat die diesjährige Walfangsaison vorzeitig beendet. Nach Angaben von Loftsson waren die Wetterbedingungen in diesem Sommer schwierig. Die Walfangschiffe lagen seinen Angaben zufolge rund 25 Tage wetterbedingt im Hvalfjörður.
Insgesamt wurden während der 94-tägigen Saison 93 Finnwale gefangen. Hvalur 8 und Hvalur 9 sind inzwischen nach Reykjavík zurückgekehrt und sollen dort bis zum kommenden Sommer bleiben.
Die Verarbeitung der zuletzt angelandeten Wale im Hvalfjörður ist noch nicht vollständig abgeschlossen.
57 Finnwale weniger als wissenschaftlich empfohlen
Für die diesjährige Saison hatte das isländische Meeresforschungsinstitut eine Fangmenge von maximal 150 Finnwalen empfohlen. Mit 93 tatsächlich gefangenen Tieren blieb Hvalur damit 57 Finnwale unter der wissenschaftlichen Empfehlung.
Die Empfehlung wurde somit zu rund 62 Prozent ausgeschöpft.
Wichtig ist dabei die Unterscheidung zwischen der wissenschaftlichen Empfehlung und der bestehenden Fanglizenz: Hvalur hf. verfügt seit Dezember 2024 über eine fünfjährige Lizenz. Diese sieht grundsätzlich eine jährliche Fangmenge entsprechend den wissenschaftlichen Empfehlungen vor. Nicht ausgeschöpfte Fangmengen können nach den geltenden Regeln in das Folgejahr übertragen werden.
Loftsson droht mit Klage gegen den Staat
Sollte die Regierung ein Verbot des Walfangs beschließen, will Kristján Loftsson den isländischen Staat verklagen.
Er argumentiert, ein solches Verbot werde den Staat viel Geld kosten und die Kosten letztlich von den Steuerzahlern getragen. Gleichzeitig erklärt Loftsson, er mache sich derzeit keine großen Sorgen über das geplante Verbot. Seiner Einschätzung nach habe es bereits in der Vergangenheit Versuche gegeben, den Walfang zu untersagen, die nicht erfolgreich gewesen seien.
Regierung plant neue Regelung für den Walfang
Industrieministerin Hanna Katrín Friðriksson hatte bereits im Sommer angekündigt, das Walfanggesetz grundlegend überarbeiten zu wollen. Das derzeit geltende Gesetz stammt aus dem Jahr 1949.
Laut der offiziellen Parlamentsagenda soll im Februar 2027 ein entsprechender Gesetzentwurf vorgelegt werden. Darin ist eine umfassende Überarbeitung des Walfanggesetzes vorgesehen. Besonders geprüft werden soll auch ein dauerhaftes Verbot des Walfangs sowie damit verbundene verfassungsrechtliche Fragen, unter anderem zur Berufsfreiheit und zum Eigentumsrecht.
Damit dürfte der Walfang in Island auch nach dem Ende der diesjährigen Saison politisch und möglicherweise juristisch weiter für Konflikte sorgen.
Proteste begleiteten die Saison
Die Walfangsaison war außerdem von Protestaktionen begleitet. Das Schiff „Bandero“ der Organisation von Paul Watson versuchte, die Walfangschiffe aufzuspüren und die Jagd zu stoppen.
Nachdem die Bandero in die isländischen Hoheitsgewässer eingedrungen war und es zu einer Konfrontation mit einem Walfangschiff gekommen war, übernahmen die isländischen Behörden die Kontrolle über das Schiff. Die Besatzungsmitglieder wurden anschließend aus Island ausgewiesen und erhielten ein Einreiseverbot.
Mit der Rückkehr von Hvalur 8 und Hvalur 9 nach Reykjavík ist der Walfang für dieses Jahr beendet. Die Auseinandersetzung über seine Zukunft geht jedoch weiter.
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